Sharon Mitchell wurde am 19. Januar 1957 in Los Angeles, Kalifornien, geboren. Sie wuchs in einer konservativen Umgebung auf, fand jedoch früh ihren Weg in die darstellenden Künste. Nach dem College-Abschluss begann sie eine Karriere im Modeln und wechselte Anfang der 1980er-Jahre in die Erwachsenenunterhaltungsbranche. Ihre ersten Auftritte absolvierte sie unter dem Pseudonym „Sharon Mitchell“, das sie zeitlebens beibehielt.
Mitchell etablierte sich schnell als eine der vielseitigsten Darstellerinnen ihrer Generation. In den 1980er- und 1990er-Jahren war sie in über 200 Filmen zu sehen, darunter sowohl Mainstreamproduktionen als auch Nischenformate. Sie arbeitete mit renommierten Regisseuren wie Gregory Dark und Henri Pachard zusammen. Besonders bekannt wurde sie für ihre Rollen in Klassikern wie „The Devil in Miss Jones 3“ und „Taboo 4“. Neben der Schauspielerei übernahm sie auch Regiearbeiten, unter anderem für die Serie „Sharon Mitchell’s House of Pain“, die ihre eigenwillige künstlerische Handschrift widerspiegelt.
Mitte der 1990er-Jahre entschied sich Sharon Mitchell, die Branche zu verlassen und einen völlig neuen Lebensweg einzuschlagen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Sexualtherapeutin und promovierte an der Columbia University im Bereich Sexualität und öffentliche Gesundheit. 1998 gründete sie die Non-Profit-Organisation „Adult Industry Medical Health Care Foundation“ (AIM), die kostenlose HIV-Tests und medizinische Beratung für Darsteller der Erwachsenenunterhaltung anbot. Diese Initiative galt als Pionierleistung und trug maßgeblich zur Reduzierung von sexuell übertragbaren Infektionen in der Branche bei.
Sharon Mitchell wird oft als Brückenfigur zwischen der wilden Ära der 1980er-Jahre und dem professionelleren, gesundheitsbewussteren Umfeld der 2000er-Jahre beschrieben. Ihre Arbeit als Therapeutin und Fürsprecherin für sichere Arbeitsbedingungen machte sie zu einer respektierten Stimme. Sie trat in zahlreichen Dokumentationen und Talkshows auf, unter anderem in „The Howard Stern Show“ und „Real Sex“. Trotz ihrer kontroversen Vergangenheit wird sie heute in Fachkreisen als Expertin für Sexualgesundheit anerkannt. Ihr persönlicher Werdegang – vom Star der Erwachsenenunterhaltung zur promovierten Therapeutin – wird häufig als Beispiel für eine geglückte berufliche Neuorientierung zitiert.
Nachdem die AIM-Klinik 2012 ihre Türen schloss, zog sich Mitchell aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück. Sie lebt zurückgezogen in Südkalifornien und arbeitet gelegentlich als Beraterin für Präventionsprogramme. In Interviews betont sie, dass sie ihre Vergangenheit nicht bereue, sondern als Teil ihrer Lebenserfahrung betrachte. Ihr Vermächtnis besteht nicht nur in den Filmen, sondern vor allem in den unzähligen Leben, die durch ihre Aufklärungsarbeit geschützt wurden.